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Schlagzeugtechnik lernen – Warum die Basics über deinen Erfolg entscheiden

Martin Grubinger30. Juni 20267 Min. Lesezeit
Schlagzeugtechnik lernen – Warum die Basics über deinen Erfolg entscheiden

Schlagzeuger, macht eure Hausaufgaben!

Seit 30 Jahren treffe ich auf Schlagzeuger aller Genre, die großartige Musikalität und Kreativität aufweisen. Musikerkolleg:innen, die, inspiriert von ihren musikalischen Gedanken und Gefühlen, das Besondere aufweisen. Wir alle haben das schon im Konzertsaal, im Jazz-Club, im Stadion oder auf der ein oder anderen größeren und kleineren Bühne gesehen. Die Idee, der Ansatz, das musikalische Vorhaben waren grossartig. Aber irgendetwas passte nicht. Es wirkte statisch, verkrampft wenig souverän. Es fehlte - ja genau das ist es - es fehlte die Leichtigkeit.

Was außergewöhnliche Schlagzeuger:innen gemeinsam haben

Die großen Schlagzeuger:innen - gleich ob es um das Drum-Set, das klassische Schlagwerk oder auch den Bereich der Percussion geht - haben eines gemeinsam. Spieltechnische Souveränität! Was macht den/die außergewöhnlichen Spieler:in aus? Zuallererst - und das kommt bestimmt vor allem Anderen - vollständige Kenntnisse seines Handwerks. Schlagzeug-Legende Thomas Lang nennt es das musikalische "Vokabular". Also zu jedem Zeitpunkt in seinem Spiel alles umsetzen und einfliessen lassen zu können. Damit man also kreativ, völlig befreit von jeglichen musikalischen Fesseln und Restriktionen, spielen kann, muss man seine spiel-technischen Hausaufgaben machen.

Die wichtigsten Techniken meistern

Dafür gibt es zu Beginn eine wichtige Faustregel:
Übe konzentriert, fokussiert und detailversessen. Nicht der Spieler mit den größten Übeumfängen wird zu den Besten gehören, sondern jene, die sich auf die Aufgabe maximal fokussieren und konzentrieren können. Effizientes Üben steht über Allem!
Bringt man Fleiß und effizientes, konzentriertes Üben zusammen, ist man auf einem sehr guten Weg!

Dann muss man wissen, worauf es ankommt.
Zuerst, um die ganz klaren und sehr einfach zu definierenden Basics:

  • Wrist Strokes
  • Finger Strokes
  • Double Strokes
  • Up & Down Strokes
  • Paradiddles in jeglicher Form und Art
  • Combinations

Einige Beispiele findet ihr hier und in unseren umfangreichen Kursen in der MyGroove App.

Danach das Übersetzen dieses musikalischen "Katalogs" auf das Instrument. Das verhält sich natürlich auf dem Drum-Kit ganz anders als auf Marimba, Vibraphon, Pauke oder Set-Up Instrumenten. Und doch sind die Grundregeln des Spiels gleich.
Ein Double Stroke wird in keinem Schlagzeug-Solo, in keiner Ghost-Note, in keinem noch so ausgefeilten Pattern phrasieren und geschmackvoll klingen, wenn nicht die sogenannte "Snap-Bewegung" zwischen dem Handgelenk und dem Finger ausreichend studiert und geübt ist.

Set-Up Werke der klassischen Literatur werden immer halbfertig klingen, wenn die ausgewogene Kombination aus Wrist, Finger, Double und Up & Strokes einzeln und in Kombination nur unzureichend ausgearbeitet sind.
So sehr sich der Performer müht, es wird nicht die Brillanz und Klasse haben, die man sich wünscht, wenn die Basics fehlen.

Technik richtig üben

Bleibt die Frage: Wie übt man das bestmöglich?

Nun, es gibt verschiedene Möglichkeiten und doch ist es am Ende ein einsamer, geradliniger Weg der einmal in einem Schlagzeuger-Leben zu gehen ist. Und das ist die monatelange, ja vielleicht sogar jahrelange Auseinandersetzung mit den Grundtechniken.
Diese kann man auf dem Practice Pad, auf echten Trommeln, auf dem Polster, auf einem Teller, auf der Parkband, auf dem eigenen Oberschenkel oder auch auf der Schulbank üben. Denn jede Spiel-Oberfläche hat seine Herausforderungen und Tücken.

Literatur, Apps und Tutorials: Digital Schlagzeug lernen

Hat man sich entschieden, die Grundrechenarten des Trommelns zu erlernen, geht es um Struktur und Aufbau. Zuerst stellt sich die Frage, wo man die Informationen dafür bekommt.

Nun, dafür gibt es analog wie digital tolle Literatur.
Die Klassiker zuerst:

  • Stick Control von G.L. Stone
  • The Drummers Rudimental Reference Book von J. Wooton
  • Rudimental Cookbooks von Ed Freytag

Es gibt aber auch - und diese Formen des Übens haben diverse Vorteile - digitale Möglichkeiten des Trainings. Das sind die gängigen Drum-Schulen von Drumeo, Rhythm-Bot oder auch Tutorials auf Youtube. Der Frontrunner unter den digitalen Lernmethoden dürfte derzeit allerdings der Technik Deep-Dive in der MyGroove App sein. Dort sind die verschiedensten Techniken in über 4.000 Übungen aller Schwierigkeitsgrade hinterlegt.

Schlagzeugtechnik: Übungen und Routinen

Wie baue ich meine Technik sinnvoll und effizient auf?
Nun, letztlich ist es wie ein Aufbautraining im Sport. Man definiert die verschiedenen Techniken, holt sich analog oder digital das perfekte Lehrmaterial und dann benötigt es final einen Trainingsplan. Dieser tägliche Trainingsplan könnte beispielsweise so aussehen:

Beispiel für einen Trainingsplan

Wrist Strokes

60 Minuten Wrist Strokes (Rechte Hand, linke Hand, Flat Flams und Alternating) in verschiedenen Metren (Ganze Noten, Halbe Noten, Viertelnoten etc.). Diese müssen in sehr langsamen Tempo immer in Perfektion ausgeführt werden. Das heißt: Nicht das Tempo ist entscheidend, sondern die korrekte Ausführung der Übung an sich.

Finger Strokes

60 Minuten Finger Strokes (Rechte Hand, linke Hand, Flat Flams und Alternating) Dabei ist bei dieser Technik zu beachten, dass Du Dich von Anfang an zu einer Fingerstroke Technik "bekennst". Denn gerade bei dieser Technik sind verschiedenste Wege möglich. Die kurze Bewegung aus der flachen Hand oder auch die Chop-Positionierung aus einer Art "Karate" Position. Finger Strokes spielt man gewöhnlich gerade zu Beginn in sehr langsamen Tempi. Denn gerade dann ist die Herausforderung den "Sweet-Spot" des Sticks zu finden und wirklich die Kontrolle des Sticks zu erlangen, am Höchsten.

Up & Down Strokes

Diese Technik wird wahrscheinlich am Öftesten genutzt. Denn sie bietet eine ganz breite Palette an Möglichkeiten. All die tollen Phrasierungen und seidig weichen Übergänge in Patterns und Soli ermöglicht diese Technik. Wichtig dabei ist, dass man diese zuerst in einer ganz langsamen, fast sterilen Bewegung übt. Jeder Zentimeter der Bewegung muss dabei genutzt werden und zu Beginn genau analysiert werden.
Das kann man selbst vor dem Spiegel machen oder man nimmt seine Bewegung auf und beobachtet danach die Bewegung in der Videoanalyse. Manche Tools (wie beispielsweise die MyGroove App) bieten auch ein Analyse Tool an. In diesem kann man seine eigene Bewegung mit dem Coach abgleichen und somit in Echtzeit die Unterschiede und möglichen Verbesserungen umsetzen.

Double Strokes

Teil dieser Bewegung ist der sogenannte "Snap-Move". Also das Abspreizen der Finger und die die damit verbundene schnelle Bewegung in die Grundposition. Ein kraftvoller Double Stroke "löst" viele Probleme, die Schlagzeuger zu bewältigen haben. Dieser spart Kraft, erhöht die Effizienz und ist in tausenden Varianten nutzbar. Setzt man den Double Stroke in der richtigen Technik um, kann man manche Passagen über Stunden mit Brillanz und Klarheit spielen.

Praktische Tipps für den Technikaufbau

Wichtig ist, dass man sich immer auch Ziele/Meilensteine setzt. 4 Wochen bis zu einem sauber ausgeführten Wrist Stroke im langsamen Tempo. Oder auch 12 Wochen bis zu ersten Kombinations-Übungen aus den verschiedensten Techniken. Die meisten Schulen (oben habe ich digitale und analoge Varianten angeführt) sind methodisch dafür sehr gut aufgebaut.

Zum Schluss drei letzte wichtige Tipps

  • Übe IMMER mit dem Metronom und nutze dabei kleine Einheiten. Sogenannte Subdivisions!
  • Versuche so oft wie möglich mit den Füßen im Beat mit zu stampfen. Das erhöht die Effizienz deines Trainings und verbessert dein Timing
  • Übe jede Übung mit wechselnden Führhänden. Starte nicht immer mit der rechten Hand. Mach diesselbe Übung immer auch von der linken Hand ausgehend. Das verbessert Deine Beidhändigkeit und trainiert deine Synapsen.


FAQ

Wie wichtig sind technische Grundlagen für Schlagzeuger:innen?

Technische Grundlagen bilden das Fundament für musikalische Freiheit. Wer seine Bewegungsabläufe kontrolliert beherrscht, kann musikalische Ideen leichter umsetzen und klingt souveräner.

Wie lange dauert es, eine gute Schlagzeugtechnik aufzubauen?

Das hängt von Übungsumfang, Konzentration und Unterricht ab. Erste Verbesserungen sind oft nach wenigen Wochen sichtbar. Der Aufbau einer wirklich ausgereiften Technik ist jedoch ein Prozess über mehrere Jahre.

Sollte ich lieber länger oder effizienter üben?

Effizientes Üben ist wichtiger als die reine Übungsdauer. Kurze, hochkonzentrierte Trainingseinheiten bringen oft mehr Fortschritt als viele Stunden unstrukturiertes Spielen.

Muss ich immer mit einem Metronom üben?

Für den technischen Aufbau ist das Metronom ein unverzichtbares Werkzeug. Es verbessert Timing, Kontrolle und Präzision und sollte regelmäßig eingesetzt werden.

Kann ich Technik auch ohne Schlagzeug trainieren?

Ja. Viele Grundlagen lassen sich auf einem Practice Pad, einem Kissen oder sogar auf dem Oberschenkel trainieren. Entscheidend ist die Qualität der Bewegung, nicht das Instrument selbst.

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Über den Autor

Martin Grubinger

Martin Grubinger

Musiker & MyGroove Gründer

Technische Perfektion, Spielfreude und musikalische Vielseitigkeit sind die Qualitäten, für die Martin Grubinger als vielleicht bester Multipercussionist der Welt gilt. Seine kometenhafte und einzigartige Bühnenkarriere wie seine Professur am Mozarteum Salzburg legen hierfür Zeugnis ab. Jetzt widmet Martin sich verstärkt der digitalen Musikvermittlung und entwickelte die MyGroove App, um die Freude am Musik machen verstärkt in den Alltag zu transportieren.